Posts Tagged David Foster Wallace

S.N.O.O.T.

“SNOOT (n) (highly colloq) is this reviewer’s nuclear family’s nickname a clef for a really extreme usage fanatic, the sort of person whose idea of Sunday fun is to look for mistakes in Satire’s column’s prose itself. This reviewer’s family is roughly 70 percent SNOOT, which term itself derives from an acronym, with the big historical family joke being that whether S.N.O.O.T. stood for “Sprachgefuhl Necessitates Our Ongoing Tendance” or “Syntax Nudniks of Our Time” depended on whether or not you were one.”

Full essay: Tense Present. Democracy, English, and the Wars over Usage by David Foster Wallace.

,

No Comments

Babylon: Mythos und Wahrheit (III)

Die große Ausstellung im Pergamonmuseum (26.6. – 5.10.2008) ist eine Zusammenarbeit vom Louvre in Paris, dem British Museum in London und dem Vorderasiatischen Museum in Berlin. Gezeigt wird die enge Verknüpfung der Geistesgeschichten Europas und des Vorderen Orients über einen Zeitraum von mehreren Jahrtausenden. Zahlreiche archäologische Objekte aus Babylonien dokumentieren die “Wahrheit” der babylonischen Kultur und die weit zurückreichenden Wurzeln der europäischen Zivilisation. Der Teil “Mythos” widmet sich der Rezeption babylonischer Kultur in der europäischen Geistesgeschichte von der Spätantike bis ins 21. Jahrhundert.

Zu behaupten, dass man in einer Ausstellung die “Wahrheit” über die Babylonische Kultur zeigen kann, ist ziemlich anmaßend (Siehe unten). Andererseits – man kann auch argumentieren, dass der Mythos die Wahrheit ist - aber das überlasse ich den Pomo-Babblers.

Genug genörgelt. Folgende Sachen sind mir in der Ausstellung speziell aufgefallen:
__________________________________

  • 1- Die Eigenbegrifflichkeit der Babylonischen Welt
  • 2- Henotheismus
  • 3- “La plus speedy des pizzas”
  • 4- Robert Koldewey
  • 5- Erotika

__________________________________

  • 1- Die Eigenbegrifflichkeit der Babylonischen Welt
  • To arrive at the “Truth” about the Babylonion culture is a somewhat overwhelming project, the end of which is absolutely out of sight – indeed, one doesn’t know where to start. Several preliminary reflections are to be taken into account:

  • We have only spotwise information about Babylon and Mesopotamia in generall. The physical area is a vast one – and we are talking about a very long period of time. For a variety of reasons, large periods of time remain up till this day undocumentated: no archaeological funds or texts having been found up till now. Likewise, geographical regions have gone undiscovered till very recently, having been believed to be insignificant – suddenly showing themselves as being of great importance. New discoveries can be expected every moment, overthrowing the general image that has been painstakingly pieced together.
  • The language(s): the sheer philological difficulties of deciphering, reading and interpreting languages long dead, that were alive in a culture totally alien to ours, puts a heavy barrier to our grasping of any aspect of Babylonien and Mesopotamian life in general.
  • We are still overly much influenced by biblical conceptions about Babylon. Of course the Bible is an important historical source to Babylonian history – but Babylon as it is depicted in the Hebrew Bible would be comparable to the rantings and ravings of a Flemish communist today about New York. An interesting point of view, for sure, but admittedly somewhat marginal.
  • One has to remember that the Assyriologist has at his disposal but a small section of material. Any new excavation and any other find can endanger and perhaps overthrow the conclusions he has reached. … an alien civilization, a civilization that is reflected solely in the dull and distorting mirror of documents written in a language long dead. It is necessary, but extremely difficult, to free oneself from one’s own ingrained concepts in attempting to organize data pertaining to another civilization.

    [Oppenheim, p. 27]

    Science and Religion, to name but two aspects of culture, function on very different premises than ours. (The fact that “Science” is mostly written inside quotation marks when it’s Babylonian Science, speaks for itself.) Unless we can set aside our preconceived ideas about what they are, or what they ought to be, we won’t get any closer to the Weltanschaung, culture and history of Babylon and Mesopotamia.

  • 2- Henotheismus
  • “Gegenüber dem kompromisslosen Entweder-oder gab die Weisheit des alten Zweistromenlands dem Sowohl-als-auch den Vorzug.” [Oppenheim, p. 172]

    Der Begriff Henotheismus stammt von dem Indologen Friedrich Max Müller. Henotheismus ist ein logischer Schritt zwischen Polytheismus und Monolatrie bzw. Monotheismus. Man glaubt an einen höchsten Gott, ohne jedoch die Verehrung anderer untergeordneter Göttern auszuschließen. Monolatrie ist exklusiver und weniger tolerant: die Existenz anderer Götter wird zwar anerkennt, diese dürfen aber nicht angebeten werden.

    “This brings us to the conceptual difficulties of understanding a polytheistic religion as far removed in time and background as that of Mesopotamia. It may be stressed that neither the number of deities worshipped nor the absence or presence of definite (and carefully worded) answers to the eternal and unanswerable questions of man separate decisively a polytheistic from a monotheistic religion. Rather, it seems to be the criterion of a plurality of intellectual and spiritual dimensions that sets off most of the higher polytheistic religions from the narrowness, the one-dimensional pressure of revealed religions.”

    [Oppenheim, p. 82]

    Marduk, der Gott Babylons, ist ein gutes Beispiel des Begriffes “Henotheismus”. Marduk macht Anspruch auf über fünfzig Götternamen, die alle verschiedene Aspekten des Gottes repräsentieren. So werden die mindere Götter in Marduk inkorporiert, ohne wirklich zu verschwinden:

    “Sin ist deine Göttlichkeit, Anu deine Regentschaft!
    Dagan ist deine Herrschaft, Enlil dein Königtum!
    Adad ist deine Stärke, der weise Ea dein Erkennen!
    Der den Schreibgriffel hält, Nabu, ist dein Können!
    Deine Führerschaft ist Ninurta, Nergal deine Macht!
    Der Ratschlag deines Herzens ist Nuska, dein erhabener Wesir!
    Dein Richtertum ist der leuchtende Schamasch, der Zwist nicht abkommen last!
    Dein überragender Name, weisester unter den Göttern, ist Marduk!”

    [Liste mit den Namen des Gottes Marduk, 7. Jht. BCE].

  • 3- “La plus speedy des pizzas”
  • So las Umberto Eco [La ricerca della lingua perfetta nella cultura europea, 1993] auf einen Mauer in Brüssel, und ihm erschien dies, wenn vielleicht nicht das perfekteste Beispiel, so doch der Anfang einer perfekten europäischen Sprache.

    Sündenfall und babylonische Sprachverwirrung scheinen in unserer Ideen unlösbar verbunden zu sein. Babylon als international scene, die Stadt generell als Zentrum der Zivilisation, wo eine friedliches Zusammenleben vieler Sprachen und Kulturen zu den Möglichkeiten gehört, gegenspricht anscheinend die Idylle des Landlebens. In der Stadt geht der Link mit der “göttliche Sprache der Natur” verloren.

    Die Suche nach eine “Reine Sprache”, nach der “Ursprache” oder die “vollkommene Sprache” fängt in der hebräischen Bibel an, und geht bis heute weiter (Esperanto ist ein rezenteres Beispiel; der Teufel, laut Thomas Mann, halt Deutsch für die vollkommene Sprache). Sprachliche Reinheit im Gegensatz zu eines fruchtbares Sprach-Babylon: das Thema ist unheimlich aktuell. [1]

  • 4- Robert Koldewey
  • Gleich am Anfang der Ausstellung werden die Expeditionsjournale, Zeichnungen und einige Fotos Robert Koldeweys (1855-1925) und sein Motorfahrrad gezeigt – ich war gleich bezaubert und ahnte einen neuen archäologischen Held und richtigen Manly Man (laut Harvey Mansfield sowie Immanuel Kant) gefunden zu haben. Ich wurde nicht enttauscht.

    Koldeweys Skizzenbücher zeigen ein außerordentliches zeichnerisches Talent, seine Briefe einen begabten Schreiber und einen eigensinnigen Charakter. Er bewies Mut und Geschick nicht nur in seiner Arbeit, sondern auch bei den Verhandlungen in krisenhaften Situationen mit den Scheichs. Andererseits zeigte er sich unerbittlich gegenüber Ignoranz. Man erzählt, dass Koldewey einer bibelfesten englischen Touristengruppe ein tiefes Grabungsloch als „Daniels Löwengrube“, ein Grabungsfeld als Thronsaal des „Menetekels“ und einen Schlackenhaufen als „feurigen Ofen“ eröffnete. Von seinen Mitarbeitern deswegen kritisiert, soll er geantwortet haben: „Wieso? Wer glaubt, ist selig! Sollte ich ihnen die Freude nehmen und sie enttäuschen? Das wird bis an ihr Lebensende das Erlebnis für sie bleiben!“

    Koldewey blieb unverheiratet und kinderlos.

    Das Buch Auf dem Weg nach Babylon enthalt viele Anekdoten, Bilder und Zitaten von und über Robert Koldewey, und einen Übersicht seiner Ausgrabungen und Erforschungen, insbesondere auch seiner Logistik der Ausgrabung, der bis heute als vorbildlich gilt. Sein Nachlass wird im Vorderasiatischen Museum zu Berlin aufbewahrt und erforscht.

  • 5- Erotika
  • Erotik

_____________
Notes
[1] Es ist auch ein sehr schwieriges Thema für pedantische SNOOTs. David Foster Wallace hat darüber ein wünderschönes Artikel geschrieben. We will miss him.
_____________
Literatur

aavv. Babylon. Mythos und Wahrheit. 2 Bände. München: Hirmer Verlag, 2008.
aavv. Wiedererstehendes Babylon. Eine antike Weltstadt im Blick der Forschung. Berlin, 1991. (Katalog der Ausstellung Wiedererstehendes Babylon, Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz)
Andrae, Walter. Babylon. Die versunkene Weltstadt und ihr Ausgräber Robert Koldewey. Berlin: de Gruyter Verlag, 1952.
Eco, Umberto. La ricerca della lingua perfetta nella cultura europea. Roma, Laterza, 1993.
Koldewey, Robert. Das wieder erstehende Babylon. Beck: München, 1990.
Oppenheim, A. Leo. Ancient Mesopotamia. Portrait of a Dead Civilization. Chicago: University of Chicago Press, 1974.
Wartke, Ralf-B. (Ed.). Auf dem Weg nach Babylon. Robert Koldewey - Ein Archäologenleben. Mainz: Verlag Philip von Zabern, 2008.
Müller, Friedrich Max. Vorlesungen über den Ursprung und die Entwickelung der Religion mit besonderer Rücksicht auf die Religionen des alten Indiens. Strassburg: Karl J. Trübner Verlag, 1880 (2. unveränderte Aufl. 1881).

, , , , ,

No Comments